Grenzsteine Nr. 129, Nr. 130 und Nr. 131 im Grenzabschnitt 5.1. Fritzlar

Helmut Most und Wolfgang Stoyke aus Kleinenglis haben im März dieses Jahres nochmals die Grenze Waldecks zu Fritzlar bei Ungedanken nach fehlenden Grenzsteinen abgesucht und die 1828/29 zu kurhessischer Zeit Fritzlars gesetzten Landesgrenzsteine Nr. 129, Nr. 130 und Nr. 131 entdeckt.
Die von Helmut Most zur Verfügung gestellten Fotos zeigen die am Rand eines Feldgehölzes umliegenden Grenzsteine.
Nr. 129 und Nr. 130 sind sehr gut erhalten, während Nr. 131 stärker beschädigt ist.

Es wäre schön, wenn die drei Steine wieder an ihren angestammten Standorten oder in deren unmittelbarer Nähe aufgestellt werden könnten, wie es von Helmut Most und Wolfgang Stoyke angestrebt wird.

 

Neues: Hessen / Nordrhein-Westfalen Höxter Süd Nov. 2016

Im Jahr 2011 ist die Grenzsteindokumentation „Historische Landesgrenzsteine zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen im südlichen Kreis Höxter“ als 9. Arbeitsheft des LWL-Amtes für Denkmalpflege in Westfalen erschienen. Die Dokumentation fußte auf Erkundun­gen, die bis 2009 auf der Südgrenze des Kreises Höxter von der Weser bei Bad Karlhafen bis an die Diemel südwestlich von Scherfede (Warburg) durchgeführt worden sind.

Die Publikation war bald vergriffen und wird deshalb weiter als komprimierte PDF-Datei zum Download zur Verfügung gestellt. Über eine ganze Reihe neuer Grenzsteinbefunde, die sich nach 2011 bei stichpunktartigen Überprüfungen und gezielter Suche – z.T. aufgrund von Hinweisen – in zunächst ohne Befund gebliebenen Bereichen ergeben haben, wurde hier regelmäßig berichtet und die neuen Erkenntnisse auf einzeln überarbeiteten Textseiten der Publikation von 2011 dargestellt. Aufgrund der wachsenden Zahl zu überarbeitender Seiten hat sich dieses Verfahren als nicht mehr praktikabel erwiesen, so dass eine vollständige Neufassung der Dokumentation erstellt werden soll, die auch die Diemelgrenze um Wrexen (Diemelstadt) einbezieht und damit die gesamte Grenze des Kreises Höxter (Nordrhein-Westfalen) zum Bundesland Hessen umfasst.
Neben der inhaltlichen Abrundung wird die aus den drei historischen Nachbarterritorien im Südosten des ehemaligen Fürstbistums Paderborn vorgegebene Grundgliederung der Dokumentation etwas modifiziert. An die erläuternden Darstellungen der drei Grenzabschnitte wird sich jeweils direkt eine von Ost nach West fortlaufende Fotodokumentation der einzelnen Standortbe­funde anschließen. In einem gesonderten Kapitel sollen die gesamten Ergebnisse gegenübergestellt und abschließend Ursachen für Verluste historischer Grenzsteine aufgelistet und Maßnahmen zu deren Schutz und Erhaltung erörtert werden.
Die im Anhang beigefügte tabellarische Zusammenstellung der Befunde wird verfeinert und um die UTM-Koordinaten der nachgewiesenen Standorte ergänzt.

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Historische Grenzsteine im südlichen Eggegebirge

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Die Publikation ist am 14.11.16 der Presse vorgestellt worden.

Ab sofort kann sie in den Buchhandlungen Linnemann Paderborn und Podszun in Warburg, beim Waldeckischen Geschichtsverein, beim Altertumsverein Paderborn und im Waldinformationszentrum Hammerhof  für 10,- €/Stück erworben werden.

Der erste Pressebericht in der „Neuen Westfälischen“ ist als PDF-Datei angefügt.

 

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Zwischensteine 6B und 6C im Abschnitt 2.7. Grönebach

Nach unermüdlicher Suche hat Herbert Roy aus Willingen im Frühsommer 2016 auch die beiden bisher nicht dokumentierten preußischen Zwischensteine Nr. 6B und Nr. 6C von 1864 an der Hoppecke ausfindig gemacht.
Der gut erhaltene Zwischenstein Nr. 6C von 1864 zeigt die übliche schlichte Gestaltung der nach 1850 gesetzten preußischen Grenzsteine. Auf der waldeckischen Steinseite sind oben die Initialen „FW“, in der Mitte die Nummernzeichnung und darunter die Jahreszahl eingekerbt. Auf der preußischen Steinseite sind nur die Initialen „KP“, für Königreich Preußen, erkenntlich.

006zcbspressen-waldeck-1864Zwischenstein Nr. 6C von 1864 – beidseitig

Am Standort 6B befinden sich mehrere Steinfragmente ohne erkennbare Zeichnung, bei denen es sich wohl um Überbleibsel des Zwischensteins Nr. 6B handeln dürfte. Das Foto zeigt das größte Bruchstück mitten im Bachbett.

006zbbspressen-waldeck-1864Fragment von Zwischenstein Nr. 6C im Bett der Hoppecke

Zwischenstein 27N im Abschnitt 4.0. Vöhl neu gefunden

Am Grenzaufstieg über den Lindenberg zur Hünselburg wurde bei einer Wanderung am 18.04.16 der umgeworfene Zwischenstein Nr. 27 N neu entdeckt.

Zwischen den Steinen Nr. 27I und Nr. 27N verlässt der heutige Wanderpfad die Grenzlinie und läuft etwas nach Westen versetzt über den felsigen Rücken des Lindenberges. Eine Nase des Bergrückens ist als topografischer Punkt mit einem Granitstein besetzt. Entgegen der ursprünglichen Annahme handelt es sich nicht um einen Ersatzstein für 27N, der nun einige Meter weiter nördlich und wenige Meter westlich des Wanderpfads gefunden wurde. Nr. 27N reiht in die Gestaltungsserie der wohl 1746 zahlreich gesetzten Zwischensteine am Lindenberg ein.

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Nr. 27N von 1746 – 18.04.16.

Wenige Meter südlich des Standorts Nr. 27N verlässt der Wanderpfad die Grenzlinie027N 1746 a -21.4.16- 23m.

Alter Grenzstein Nr. 28, 2.1. Marsberg, am Standort Nr. 31 aufgestellt

Am Standort Nr. 28 wurde 1901 ein Ersatzstein gesetzt, der Im Buch über die waldeckischen Landesgrenzsteine dokumentiert ist.

Günter Schulte aus Erlinghausen hat um 2013 im Gebüsch wenige Meter neben dem Ersatzstein, den 1901 wohl übersehenen oder als unbrauchbar erachteten Originalstein von 1663 entdeckt. Dieser alte Stein ist nun in einer Gemeinschaftsaktion der Grenznachbarn aus Erlinghausen und Kohlgrund am nicht mehr besetzten Grenzsteinstandort Nr. 31 aufgestellt worden. Der wohl wegen teilweise abgebrochener Basis nur noch 90 cm lange alte Stein wurde in ein Mörtelbett gesetzt und mit einem daneben gestellten Informationsschild ausgestattet. In einer kleinen Feierstunde erinnerte man an die Vergangenheit der Grenze, wobei Kohlgrunds Ortsvorsteher Heinrich Kaune betonte, dass diese Grenze heute viel mehr Verbindendes als Trennendes besitzt.

Eberhard Gutberlett hat mich auf einen dazu erschienenen Zeitungsartikel aufmerksam gemacht. Daraufhin war ich am 11.5.16 vor Ort und habe die folgend eingestellten Fotos gemacht.

31Kurköln-Waldeck 1663 bs 11.5.16.
Grenzstein Nr. 28 von 1663 – beidseitig – 11.5.16.
31Kurköln-Waldeck 1663 a 74m
Grenzstein Nr. 28 von 1663 am Standort Nr. 31 – 11.5.16.
32Kurköln-Waldeck 1663 ab
Grenzstein Nr. 32 von 1663 – 11.5.16.
33Preußen-Waldeck 1895 a 11.5.16. 42
Nr. 33 Preußen-Waldeck von 1895 11.5.16.

Einmaliger Landesgrenzstein von 1597 steht jetzt im Kreismuseum Wewelsburg

Auf der alten Grenze zwischen dem Fürstbistum Paderborn und der Landgrafschaft Hessen waren erstmals im Jahr 1597 mit Wappen und Jahreszahl ausgestattete Grenzsteine gesetzt worden. Als im Zuge des Grenzrezesses von 1754 die Grenzlinie verfeinert und mit 210 exakt eingemessenen neuen Grenzsteinen markiert wurde, sind dort alle schon vorhandenen älteren Grenzsteine beseitigt worden. Nur einem glücklichen Zufall ist es wohl zu verdanken, dass ein Wappenstein von 1597 erhalten geblieben ist.
Der Grenzstein wurde von Dieter Siebeck aus Höxter auf dem Dachboden des Museums in Corvey entdeckt. Von seinem Fund hat er mir 2011 in einem Telefonat berichtet. Aufgrund seiner Beschreibungen hatte ich den Schluss gezogen, dass es sich um einen der 1597 aufgestellten Landesgrenzsteine handeln musste.
Als mich im Frühjahr des vergangenen Jahres Markus Moors vom Kreismuseum Wewelsburg fragte, ob ich nicht Grenzsteine kennte, die zur Ausstellung im Historischen Museum des Hochstifts Paderborn geeignet seien, nannte ich den Grenzstein vom Dachboden in Corvey und den Stein Nr. 142 von 1778 auf dem Hof „von Pappenheim“ in Liebenau. Markus Moors ist es gelungen, beide Grenzsteine in „sein“ Museum zu holen. Vor einigen Wochen konnten die Steine dort von mir fotografiert werden.
Das Grenzsteinunikat von 1597 wird nun mit einer Abbildung vorgestellt und beschrieben.

DBZP MLZH 1597 bs abc

Der Grenzstein ist relativ grob mit rechteckigem Querschnitt von etwa 25/18 cm und geradem Kopf aus Sandstein zugeschlagen. Er ist 95 cm lang und ragte einmal etwa 50 bis 60 cm aus dem Boden auf. Die Schauseiten zeigen über der gesenkten Jahreszahl „1597“ jeweils die Initialen und Wappen der Landesherren, die den Grenzvertrag von 1597 geschlossen haben. Auf der ehemals dem Hochstift zugewandten Steinseite ist unter den eingehauenen Initialen „DBZP“, für Dietrich Bischof zu Paderborn, durch Einkerbung ein spanischer Wappenschild herausgearbeitet. Auf diesem steht zentral flach erhabenen das schlichte Hochstiftskreuz, welches in der Mitte überlagert wird vom Herzschild des Fürstenbergers mit zwei Balken. Auf der hessischen Steinseite findet sich unter den Initialen “MLZH“, für Moritz Landgraf zu Hessen, entsprechend das Wappen der Grafschaft Hessen mit dem Flachrelief eines steil aufgerichteten zweischwänzigen Löwen. Der hessische Wappenschild ähnelt dem Paderborner Schild, besitzt aber an den Flanken flache Tartschen-Einbuchtungen.
Es ist nicht mehr festzustellen, wie und woher der alte Grenzstein auf den Dachboden des Museums in Corvey gelangt ist. Vermutlich stammt der Stein aus dem Bereich der Gemarkung Herstelle, an die die ehemals corveyische Mark Jakobsberg angrenzte.
1597 war im Bereich der Gemarkung Herstelle an der Steinklippen auf der Weser … gegen der einen Seiten des Eckensteins über und vor ehegenannter Steinclippe den Berg hinauf an die Steinklippen, an der Höhe, daran das genante Kellerloch stehet, und an derselbigen Klipften hin in jetzbenantes Kellerloch, von dannen zur Rechten herümber auf einen gezeichneten jungen Eichbaum auffen Füßpat und fürters von gezeichnetem Baum an zu durch den Schneckerstein an dem Hohen Geholtz hindurch auf einen hohen Eichbaum mit dreyen Esten … [1] mit der Grenzmarkierung begonnen worden. Die damalige Grenzbeschreibung erwies sich in diesem Bereich jedoch als zu ungenau, so dass sich Streit um die Nutzung der Steinklippen entwickelte. Drei Karten und Niederschriften aus den Jahren 1697 bis 1706 [2][3][4] bekunden, dass im Jahr 1698 Hersteller auf einer Klippe Steine gebrochen haben und … dagegen an hessischer Seite protestiert und derenthalben die Steine nebst deren Instrumenten hinweg genommen wurden [3]. Eine unten im Ausschnitt abgebildete Karte [4] zeigt den umstrittenen Grenzbereich (A) an der Mündung der Diemel in die Weser besonders schön.

KSA_20404 Ausschnitt

Neben der kolorierten Topografie mit – Diemel, Weser, Klippen, Diemelbrücke und der nur mit einem Gebäude angedeuteten von Landgraf Karl gegründeten Stadt Syburg, die später nach ihrem Gründer Karlshafen genannt wurde – sind auch einige Wappensteine von 1597 mit ihren nach Paderborn weisenden Schauseiten, das grenzbestimmende Kellerloch (B) und die Lustklippe (G) eingezeichnet. Die diagonale Linie im Locus quaestionis A ergab sich aus einer Verbindung der Grenzpunkte von Schnadtstein F und des Fundorts eines liegenden Schnadtsteins mit litteris „M.L.Z.H. 1597, nahe der Diemelmündung an der Weser, und bezeichnet die Paderborner Anspruchslinie. In den Verhandlungen zum Grenz-rezess von 1754 setzte sich in diesem Bereich die hessische Sicht der Dinge durch. Grenzstein Nr. 1 wurde demzufolge etwa 230 nordwestlich der Diemelmündung am Ufer der Weser gesetzt und zeigte linea recta den Berg hinauf zwischen der gantz ins Paderbornische Territorium eingeschloßenen Lustklippe in der Schlucht hinauf zu dem 2.ten Stein.

Der andernorts eingehend erörterte geschichtliche Hintergrund der Grenzsteinsetzung wird hier nur in geraffter Form dargestellt.
In der Mitte des 15. Jahrhunderts hatten die hessischen Landgrafen nahezu den gesamten mainzschen Besitz in Nordhessen übernommen und die Grenzen der Landgrafschaft in ehemals paderbornsches Gebiet vorgeschoben. Der Friedensvertrag nach der Hessen-Paderbornschen Fehde von 1471 zwischen Landgraf Ludwig II. und Bischof Simon III. bestätigte das Vordringen der Landgrafschaft Hessen im nördlichen Diemelraum. Gleichwohl kam es im folgenden Jahrhundert noch zu Gerichtsprozessen, um die Landeszugehörigkeit von Helmarshausen, Liebenau, Trendelburg und Reinhardswald. Die Grenze war wohl nur in Teilbereichen exakt bestimmt und dort mit den ersten einfachen Grenzsteinen (Wandtsteine) besetzt worden. Ende des 16. Jahrhunderts, unter Fürstbischof Dietrich IV. von Fürstenberg, wurden deshalb Anstrengungen zu einer endgültigen Regelung des gesamten Grenzverlaufs unternommen. Dietrich hatte 1588 die Grenzverhandlungen mit Wilhelm IV., Landgraf zu Hessen (1568-1592), begonnen und sie nach dessen Tod mit seinem Nachfolger, Moritz Landgraf zu Hessen (1592-1627), fortgesetzt. Es resultierte der Grenzvertrag vom 5.1.1597. In diesem wurde die Grenzlinie erstmals komplett von den Steinklippen, an der Weser oberhalb von Karlshafen, bis zum „Lips-Creutz“, an der Gemarkungsgrenze Volkmarsens, beschrieben und mit zusätzlichen Wappensteinen markiert. Der 1597 festgelegte Grenzverlauf hatte in seinen Grundzügen bis heute Bestand. Da die Grenzbeschreibung jedoch im Detail nicht immer eindeutig war und zu wenige Grenzsteine den Grenzverlauf markierten, kam es, insbesondere in fünf Bereichen der Grenze, weiter zu Streit um Eigentums-, Nutzungs- und Hoheitsrechte. Diese Streitigkeiten sollten durch den 1756/57 ratifizierten Vertrag zwischen Fürstbischof Clemens August von Landgraf Wilhelm VIII. behoben werden. Zu diesem Zweck wurden 1754 nach exakter Grenzvermessung zunächst alle älteren Landesgrenzsteine vollständig beseitigt und insgesamt 210 fortlaufend nummerierte neue Steine gesetzt.

[1] Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, Fürstbistum Paderborn, Urkunden, Nr. 2395
[2] Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, Domkapitel Paderborn, Kapselarchiv Nr. 194,1 – 1697, KSA 50819
[3] Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, Domkapitel Paderborn, Kapselarchiv Nr. 194,1 – 1706, KSA 20404
[4] Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, Domkapitel Paderborn, Kapselarchiv Nr. 194,1 – 1706, KSA 20405

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